Zitate zum Zölibat
 

 

Wer im Internet nach Zitaten zum Zölibat sucht (z.B. bei www.aphorismen.de) wird feststellen, dass diese ganz überwiegend ablehnend bzw. negativ sind -  daher hier einige Zitate mit einer etwas anderen, weniger verbreiteten Sicht auf den Zölibat ....

Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es.
Bibel, Neues Testament, Evangelium nach Matthäus 19,12

Das unweltliche, das übernatürliche Leben ist wesentlich auch eheloses Leben. Das Zölibat - freilich nicht als Gesetz - liegt gleichfalls also im innersten Wesen des Christentums.
Ludwig Feuerbach (1804-1872), deutscher Philosoph

Luther gab dem Priester das Weib zurück, aber drei Viertel der Ehrfurcht, deren das Volk, vor allem das Weib aus dem Volke, fähig ist, ruht auf dem Glauben, dass ein Ausnahmemensch in diesem Punkte auch in anderen Punkten eine Ausnahme sein wird. Hier hat gerade der Volksglaube an etwas Übermenschliches im Menschen seinen feinsten und verfänglichsten Anwalt. Luther musste dem Priester, nachdem er ihm das Weib gegeben hate, die Ohrenbeichte nehmen, das war psychologisch richtig. Aber damit war im Grunde der christliche Priester selbst abgeschafft, dessen tiefste Nützlichkeit immer gewesen ist, und noch ist, ein heiliges Ohr, ein verschwiegener Brunnen, ein Grab für Geheimnisse zu sein.
Friederich Nietzsche (1844-1900), deutscher Philosoph und klassischer Philologe

Am Fehltritt eines Priesters ist der Zölibat genauso viel schuld wie die Ehe schuld ist am Ehebruch.
Michael von Faulhaber (1869-1952), deutscher katholischer Theologe, Kardinal, Gegner der Nazis

Der katholische Priester verzichtet auf 1000, der verheiratete Mann auf 999 Frauen.
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), englischer Schriftsteller

Die Ehelosigkeit ist nicht nur ein Verzicht wie Gehorsam und Armut. Sie ist eine echte Amputation. Das muss man wissen … Zeitlebens trägt ein normaler ehelos lebender Mensch seine "andere Hälfe" mit sich herum; seine "Ergänzung" folgt ihm wie ein Schatten: Für manche bleibt sie anonym, für andere hat sie ein ganz bestimmtes Gesicht oder auch mehrere. Dieser Einsamkeit muss man sich bewusst sein: Die ist gesund, wenn sie freiwillig angenommen wird, wenn man sich mit ihr identifizieren kann und sie in Freude trägt, weil man sich in aller Freiheit dafür entschieden hat, auch wenn es wehtut.
Madeleine Delbrêl (1904-1964), französische Sozialarbeiterin, Schriftstellerin und katholische Mystikerin

Ich persönlich hätte niemals tun können, was ich getan habe, wenn ich verheiratet gewesen wäre oder mich auf eine dauerhafte Liebesbeziehung eingelassen hätte. Meine Berufung erforderte eine ständige Verfügbarkeit. Aber ich bin davon überzeugt, dass es in der Kirche sowohl verheiratete Priester geben sollte als auch solche, die zölibatär leben.
Abbé Pierre (Henri Groués) (1912-2007), französischer katholischer Pfarrer, Obdachlosenseelsorger und Gründer der Gemeinschaft Emmaus

Unser Zölibat bedeutet weder Gleichgültigkeit noch Unterdrückung menschlicher Zuneigung, sondern ruft nach ihrer Verwandlung.
Frére Roger Schutz (1915-2005), Schweizer reformierter Theologe, Gründer und erster Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé

Weiß die katholische Kirche welch radikale Umwertung der Werte sie [mit einer Aufhebung des Zölibats] einleiten würde. Im Zölibat der Priester, Torheit des Evangeliums, hat sich in ihr eine verborgene Wirklichkeit bewahrt. Die Kirche hat sich darin auf das unsichtbar, auf das Mysterium Christi ausgerichtet.
Frére Roger Schutz (1915-2005), Schweizer reformierter Theologe, Gründer und erster Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé

Um reif und gelassen im Zölibat zu leben, erscheint es besonders wichtig, dass der Priester in seinem Innersten das Bild der Frau als Schwester entwickelt.
Johannes Paul II. ((Karol Wojtyla) (1920-2005), polnischer katholischer Theologe, Kardinal, Papst

Das Zölibat ist ein Geschenk Gottes an die Kirche, ein Ausdruck der ungeteilten Liebe der Priester zu Gott.
Johannes Paul II. ((Karol Wojtyla) (1920-2005), polnischer katholischer Theologe, Kardinal, Papst

Um reif und gelassen im Zölibat zu leben, erscheint es besonders wichtig, dass der Priester in seinem Innersten das Bild der Frau als Schwester entwickelt.
Johannes Paul II. ((Karol Wojtyla) (1920-2005), polnischer katholischer Theologe, Kardinal, Papst

Um darum [um die Gabe des Zölibats] bitten und sie sich wünschen zu können, muss man sie schon in gewisser Weise in Form einer Verheißung oder Neigung erhalten haben.
Max Thurian (1921-1996), Schweizer reformierter Theologe, einer der ersten sieben Brüder der Bruderschaft von Taizé

Man soll nicht glauben, dass die Ehe einfacher ist als der Zölibat.
Joseph Ratzinger (1927- ), deutscher katholischer Theologe, Kardinal, emeritierter Papst

Die freiwillige Ehelosigkeit drängt in die Solidarität mit jenen Ehelosen, für die Ehelosigkeit, sprich: ‘keinen Menschen haben’ gerade keine Tugend ist, sondern gesellschaftliches Lebensschicksal; sie drängt zu den in Erwartungslosigkeit und Resignation Eingeschlossenen.
Johann Baptist Metz (1928-2019), deutscher katholischer Theologe und Priester

Die erzwungene Ehelosigkeit eines Priesters wäre ebenso wenig wirklicher Zölibat wie eine erzwungene Eheschließung eine wirkliche Ehe wäre.
Anton Schlembach (1932- ), deutscher katholischer Theologe, Bischof

Es muss eine strengere Auswahl in den Priesterseminaren geben und auch eine anspruchsvollere Ausbildung, so dass wir die moralische Gewissheit besitzen, dass sie [die zukünftigen Priester.] über die Voraussetzungen verfügen, um den Zölibat wirklich so zu leben, wie es die Kirche von ihnen erwartet.
Cláudio Hummes (1934- ), brasilianischer katholischer Theologe, Kardinal, Präfekt der römischen Kleruskongregation

Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche. Es hat weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität, noch mit der katholischen Sexuallehre.
Robert Zollitsch (1934- ), serbischstämmiger deutscher katholischer Theologe, Erzbischof, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Zölibat muss ein freiwilliges Geschenk an andere und an Gott sein, sonst ist er bedeutungslos.
Willie Walsh (1935- ), irischer katholischer Theologe, Bischof

Das Problem ist nicht mit dem Zölibat verbunden. Wenn ein Priester pädophil ist, war er es, bevor er Priester wurde.
Franziskus (Jorge Mario Bergoglio) (1936- ), argentinischer katholischer Theologe, Jesuit, Papst

Die Familie ist die Berufung, die Gott in die Natur des Mannes und der Frau eingeschrieben hat, aber außer der Ehe gibt es noch eine andere, zusätzliche Berufung: den Ruf zum Zölibat und zur Jungfräulichkeit für das Himmelreich. Das ist die Berufung, die Jesus gelebt hat.
Franziskus (Jorge Mario Bergoglio) (1936. ), argentinischer katholischer Theologe, Jesuit, Papst

Die katholischen Priester tun das Schlimmste, was ein Mann der sexuellen Leistungsgesellschaft antun kann. Sie tun gar nichts. Sie leben im Zölibat. Die Spießerfrage muss lauten: Sind sie böse, oder sind sie krank?
Hans Conrad Zander (1937- ), aus der Schweiz stammender deutscher Journalist und Schriftsteller

Zölibatäre Menschen leben nicht anders als die Eheleute, nur dass sie in sich selbst verwirklichen, was die anderen mit Hilfe des anderen zu verwirklichen suchen: die Integration des Männlichen und Weiblichen.
Leonardo Boff (1938- ), brasilianischer katholischer Theologe, Franziskaner, Vertreter der Befreiungstheologie, laisiert und verheiratet

Ja, vermutlich wäre es gut, auch verheiratete Männer, die "viri probati", für den Dienst zu gewinnen - zumal der Zölibat theologisch nicht absolut zwingend ist - und somit den Priestermangel zu lindern. Das wäre schon ein Gewinn. Doch wäre damit das Problem der allgemeinen Entkirchlichung keineswegs gelöst.
Ulrich Greiner (1945- ), deutscher Journalist und Literaturkritiker

Sind deren Kirchen voller? Glüht die EKD vor Glaubenseifer? Ich glaube nicht, dass eine Angleichung der Lehre an die heutige Lebenspraxis den Kirchen eine neue Anziehungskraft verschaffen könnte.
Ulrich Greiner (1945- ), deutscher Journalist und Literaturkritiker

"Kirche ist keine Demokratie", bemerkte kürzlich der Augsburger Bischo Konrad Zdarsa: "Sondern wir sind ausgerichtet auf Christus". Diese für Christen höchst bedeutsame Aussage fand Claudia Roth, die aus der Kirche ausgetretene Bundesvorsitzende der Grünen "höchst bedenklich", und sie betonte: "Wir wollen keine demokratiefreien Räume in unserer Gesellschaft" …. Als Pater Basilius Streihofen vor einigen Jahren Frau Claudia Roth als ein "zölibatsverstärkendes Element" bezeichnete, war dies gewiss keine Liebeserklärung, aber auch kein Ausdruck von Frauenhass.
Wolfgang Ockenfels (1947- ), deutscher katholischer Theologe, Palottiner, Sozialethiker

Du kannst heute als Journalist unvorbereitet jedes Interview zum Thema katholische Kirche bestreiten, wenn du dir drei Begriffe merken kannst: Zölibat, Frauenordination, römischer Zentralismus. Wenn du diesen Kram als Themen aus dem "Reformstau" verkaufst, darfst du dich fortschrittlich fühlen.
Peter Sewald (1954- ), deutscher Journalist und Autor

Beziehungsarbeit, Nestbau und Brutpflege sind immense emotionale Energien, die beim Verheirateten in wenige Menschen investiert werden, und die der Zölibatäre für Gott und Mitmenschen aufbringen kann.
Ralph Maria Bonelli (1968- ), österreichischer Neurowissenschaftler

Dem "Priestermangel" entspricht in vielen Pfarreien auch ein "Ehemangel" - nicht selten werden mittlerweile in manchen Pfarreien im Jahreslauf mehr Goldene und Silberne Hochzeiten gefeiert als "Grüne Hochzeiten". Immer weniger Paare wollen sich kirchlich trauen lassen - hier spielt eine gewisse Bindungsunfähigkeit und -unwilligkeit eine große Rolle. Die Bereitschaft, sich für den Rest seines Lebens in einer solch entscheidenden Frage endgültig zu binden, ist Grundlage für die kirchliche Tauuung wie für das Zölibat.
Ulrich Filler (1971- ), deutscher katholischer Theologe, Priester und Autor

Momentan scheint der Zölibat in unserer Weltgegend nicht "in" zu sein. Andererseits schauen gar nicht wenige Europäer mit großer Aufmerksamkeit auf den Dalai Lama und seine buddhistischen Mönche, deren Leben wesentlich vom Zölibat geprägt ist. Müssten da nicht auch die Christen jener Lebensform, die Jesus Christus selbst für sich gewählt hat, wieder neu Beachtung schenken? Oder fasziniert der Zölibat nur in exotischem Gewand?
Karl Veitschegger (), österreichischer katholischer Theologe

Der Zölibat der Kleriker, gewählt für das Reich Gottes und sehr angemessen für das Priesteramt, soll gemäß der Tradition der Universalkirche überall große Wertschätzung erfahren. Genau gleich soll in Ehren gehalten werden der Status der in Ehe lebenden Kleriker, bestätigt durch die Praxis der Urkirche und der orientalischen Kirchen.“
Kanon 373 des Kirchenrechts für die katholischen Ostkirchen

Quellen: http://members.aon.at/veitschegger/

 

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