Die drei göttlichen Tugenden - Glaube, Liebe, Hoffnung
 

 
Aufzählung Die drei göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden
Aufzählung Zitate über die göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden



  Die drei göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden
 

Die drei göttlichen Tugenden sind untrennbar miteinander verbunden, doch den höchsten Stellenwert nimmt die Liebe ein. An verschiedenen Stellen ist von ihnen in der Bibel im Alten und Neuen Testament die Rede:
"Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten aber ist die Liebe." (Hohes Lied der Liebe letzter Satz)
“Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe.”
(Paulus, 1 Kor 13,13)

"Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.  Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt." (Joh 15,12-13)

Der Glaube lässt uns in keiner Lebenslage ohne Hoffnung sein; nicht bei wichtigen Entscheidungen und bei verschiedenen Vorhaben, nicht bei Unglücksfällen und Enttäuschungen, nicht in Verfehlungen und Einsamkeit, nicht in Krankheit und Tod. Deshalb sollen wir uns durch niemanden die Freude rauben lassen, die in der Hoffnung gründet. In dieser Hoffnung muss man wachsen: Durch Geduld mit sich selbst und den Mitmenschen, durch Wachsamkeit, Treue und Ertragen von Schwierigkeiten. Die Hoffnung gibt aber auch Mut sich für die Überwindung schlechter Lebensbedingungen und Zustände auch dann einzusetzen, wenn es aussichtslos scheint. Glaube, Liebe und Hoffnung befähigen und ermutigen uns, das eigene Leben und das Leben in Gemeinschaft sinnvoll zu gestalten und an der Entwicklung einer menschenwürdigen Gesellschaft und Umwelt mitzuwirken.

Ergänzt werden die drei göttlichen Tugenden durch die vier Kardinaltugenden, die zuvor schon vom griechischen Philosophen Platon propagiert wurden. Die vier Kardinaltugenden als Gesamtheit werden nur an einer Stelle im Alten Testament erwähnt. In den Schriften der Kirchenväter, wie etwa bei Thomas von Aquin und der christlichen Sittelehre spielen sie dagegen eine wichtige Rolle:

"Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, in ihren Mühen findet er die Tugenden.
Denn Sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere. (Weish 8,7)

Wenn der deutsche Schriftsteller Günter Grass über die göttlichen Tugenden schreibt "Glaube, Hoffnung, Liebe sind die Ladenhüter des Neuen Testamentes", so sollte diese provokative Aussage an jeden Christen eine Anfrage sein, wie er es mit den göttlichen Tugenden hält.

Göttliche
Tugenden
Glaube   lat. fides Verstehen mit dem Herzen, Jasagen zum Aufruf des sich offenbarenden Gottes, Durchstehen von Zweifeln und Zeiten der Leere, Weitersagen der Botschaft Gottes, Gemeinschaft mit Christus, Antwort auf das Heilshandeln Gottes Buch, Gesetzestafeln, Kreuz
Geisttaube, Gnadenstrahl, brennendes Herz, Kelch, brennende Kerze, Lamm, Leuchter, Manna (Brot), Matronenschleier, Sieb (Scheidung des Wahren vom Falschen)
oft in Kombination mit  weiteren Symbolen wie Altar, Kirchenmodell, Fels, Quader, Säulenbasis usw.
Hoffnung   lat. esperantia Wollen mit dem Herzen, Gottvertrauen, Hoffnung auf die Wiederkehr Christi, Gewissheit das keine Krise so groß ist wie das Endgericht, Gegenspielerin von Verzweiflung, Resignation und Furcht

Anker, Taube
Bienenkorb, Falke, Füllhorn, Ketten, Lilie, Osterfahne, Pilgerstab, Phönix,   Schiff, Segel, Schiffbruch, Spaten, Sichel, Turm, gefangener Vogel

Liebe   lat. caritas Fühlen mit dem Herzen, Liebe von Gott entgegennehmen, Liebe zu Gott zeigen, Liebe den Menschen entgegenbringen, Nächstenliebe, Caritas, Hingabe statt Eifersucht, Vereinnahmung, haen wollen,  Liebe zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern

Kinder, Früchte,
Baum mit Vögeln, Brote, Delphin, Geldbeutel, Flammen, Fruchtschale, Herz (auch brennend), Löwin mit Jungen
usw.

Kardinal-
tugenden
Weisheit

 

lat. sapientia Transkulturell-zeitlose, universal-menschliche, reale oder ideale, entweder als reifungsbedingt erwerbbar oder aber als göttlich verliehen gedachte exzeptionelle Kompetenz, welche sich durch ungewöhnlich tiefe Einsicht in die Kreisläufe des Lebens, besonderes Wissen, eine herausragende ethisch-moralische Grundhaltung und das damit verbundene Handlungsvermögen auszeichnet. Schlange, Spiegel
Fackel, Kopf mit mehreren Gesichtern, Sarg, Sieb
Gerechtigkeit lat. justitia Einhaltung der unveräußerlichen Menschenrechte, im christlichen Sinne "größere Gerechtigkeit", göttliche Gerechtigkeit, Freiheit von Sünde Schwert, Waage
Adler, Gesetzbuch, Kranich, Krone, Palme,  Weltkugel, Winkelmaß
Tapferkeit
lat. fortitudo Aushalten von Leid, Widerstand gegen Traurigkeit, Aushalten der Angst vor dem Tode, Bereitschaft das Leben zu geben, Bereitschaft für höhere Werte Gefahren und Opfer auf sich zu nehmen, Mut der Angst kennt aber überwindet Säule im Arm
Amboß, Löwe, Presse, Ritter, Schild, Schwert, Speer, Siegesfahne, Zepter
Mäßigung lat. temperantia Mäßigung im Essen und Trinken, Kontrolle der sexuellen Begierden, Maßhalten im Umgang mit materiellen Gütern, Beherrschung im Zorn,
Fähigkeit zur Selbsbeschränkung
Brille, Elefant, Fisch, Lamm im Feuer, Mischgefäße, Sanduhr, Schwert, Taube, Totenkopf, Windmühle, Zirkel, Zügel im Mund

 

  Zitate über die göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden

Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoffnung, Gedenken unsere Liebe.
Aurelius Augustinus ( 354-430), Bischof von Hippo in Nordafrika, Philosoph, Kirchenvater, Heiliger

Denn der Mensch, dessen Tun nichts anderes ist als auf Gott warten und seiner harren, soll nicht aufhören, wie es der äußerliche Mensch tut und tun muss. Und das ist das Leben in den hohen drei Tugenden, nämlich Glaube, Hoffnung, Liebe.
Martin Luther (1483-1546), deutscher Augustinermönch, Reformator

Glaube und Liebe und Hoffnung sollen nie aus meinem Herzen weichen. Dann gehe ich, wohin es soll, und werde gewiss am Ende sagen: Ich habe gelebt. Und wenn es kein Stolz und keine Täuschung ist, so darf ich wohl sagen, dass ich in jenen Stunden nach und nach, durch die Prüfungen meines Lebens, fester und sicherer geworden bin.
Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843), deutscher evangelischer Theologe, Lyriker und Dramatiker


In vier Teile gliedert sich das Gute: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maßhalten.
Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr.-43 v. Chr.), römischer Philosoph

Im Altertum sprach man von vier Kardinal- oder Haupttugenden: Weisheit - die Folgen seines Handelns bedenken; Tapferkeit - standhaft sein und Zeugnis geben; Besonnenheit - sich beherrschen; Gerechtigkeit - jedem das Seine geben. Heute würde ich vier neue Kardinaltugenden hinzufügen: Ehrfurcht, Toleranz, Friedensliebe und Solidarität. Die Ehrfurcht ist so wichtig, weil wir erst durch die Katastrophe der Konzentrationslager erfasst haben, was es bedeutet, andere in ihrer Würde und Freiheit zu missachten. Positive Toleranz ist entscheidend für das Zusammenleben im Staat, Friedensliebe für die Völkerverständigung. Solidarität ist die Überzeugung, wir sitzen alle in einem Boot.
Franz König (1905-2004), österreichischer Theologe und Religionswissenschaftler, Kardinal


Quellen:
Carlo Maria Martini: Die Tugenden. Grundhaltungen christlicher Existenz. München: Verlag Neue Stadt 1997 u.a.
http://www.uni-kiel.de/gza/2/Friedrich/Themenseiten/Tugenden/BedeutungtheologischeTugenden.htm
Die göttlichen Tugenden (von oben nach unten Glaube, Liebe, Hoffnung) von Raffael, italienischer Maler und Architekt (1483-1520)
Die sieben Tugenden des italienischen Malers Peselino (unter den weiblichen Tugenden die männlichen Pendants) (ca. 1422-1457)


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