"Heiligste Dreifaltigkeit" Altdorf b.Nürnberg
Die drei göttlichen Tugenden - Glaube, Liebe, Hoffnung
 


  • Kreuz
  • Herz
  • Anker
  • Die drei göttlichen Tugenden sind untrennbar miteinander verbunden, doch den höchsten Stellenwert nimmt die Liebe ein. An verschiedenen Stellen ist von ihnen in der Bibel im Alten und Neuen Testament die Rede:
    "Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten aber ist die Liebe." (Hohes Lied der Liebe letzter Satz)
    “Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe.”
    (Paulus, 1 Kor 13,13)

    "Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.  Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt." (Joh 15,12-13)

    Der Glaube lässt uns in keiner Lebenslage ohne Hoffnung sein; nicht bei wichtigen Entscheidungen und bei verschiedenen Vorhaben, nicht bei Unglücksfällen und Enttäuschungen, nicht in Verfehlungen und Einsamkeit, nicht in Krankheit und Tod. Deshalb sollen wir uns durch niemanden die Freude rauben lassen, die in der Hoffnung gründet. In dieser Hoffnung muss man wachsen: Durch Geduld mit sich selbst und den Mitmenschen, durch Wachsamkeit, Treue und Ertragen von Schwierigkeiten. Die Hoffnung gibt aber auch Mut sich für die Überwindung schlechter Lebensbedingungen und Zustände auch dann einzusetzen, wenn es aussichtslos scheint. Glaube, Liebe und Hoffnung befähigen und ermutigen uns, das eigene Leben und das Leben in Gemeinschaft sinnvoll zu gestalten und an der Entwicklung einer menschenwürdigen Gesellschaft und Umwelt mitzuwirken.

      Kreuz

    Als zweifache Verbindung diametral entgegengesetzter Punkte ist das Kreuz Sinnbild der Einheit von Extremen (z.B. Himmel und Erde), der Synthese und des Maßes, in dem sich Raum und Zeit verknüpfen. Es ist das Symbol des Mittlers zwischen den Menschen und Gott, Jesus und seinen Sühnetod am Kreuz. Als solches steht es auch als Symbol für den christlichen Glauben allgemein.

      Herz

    Das Zentralorgan des Gefäßesystems, vom Menschen frühzeitig als Sitz des Lebensprinzips und der Gemütsaffekte angesehen, steht auch im biblischen Sprachgebrauch für Zuneigung und Liebe. In der Emblematik der Renaissance und des Barock wird das Herz Bild der himmlischen und irdischen Liebe, der Kardinaltugend der caritas, der Nächstenliebe. Herz-Jesu-Darstellungen auf Andachtsbildern sind eine Nachwirkung der Herz-Jesu-Mystik.

      Anker

    Der Anker, der den Platz des Schiffes im Hafen sichert ist seit alters ein Zeichen der Hoffnung der Zuversicht und des Heils. Für die Christen wurde der Anker nach Hebr. 6.18ff das unmittelbar treffende Bild der Hoffnung der Glaubenden auf die himmlische Seeligkeit. In diesem Sinne taucht er auf unzähligen Grabinschriften als ältestes und zugleich genuin christliches Symbol auf und findet seine weiteste Verbreitung von 300. Der kreuzförmige Anker erinnerte an die Passion Christi. Nicht selten Delphine oder Fische beigegeben, ein Hinweis auf die Glaubenden selbst und auf das "Heilmittel zur Unsterblichkeit", das die Eucharistie selbst darstellte. Der Anker ist unter anderem Attribut des Placidus, des Schutzheiligen der Ertrunkenen.

    Ergänzt werden die drei göttlichen Tugenden durch die vier Kardinaltugenden, die zuvor schon vom griechischen Philosophen Platon propagiert wurden. Die vier Kardinaltugenden als Gesamtheit werden nur an einer Stelle im Alten Testament erwähnt. In den Schriften der Kirchenväter, wie etwa bei Thomas von Aquin und der christlichen Sittelehre spielen sie dagegen eine wichtige Rolle:

    "Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, in ihren Mühen findet er die Tugenden.
    Denn Sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere. (Weish 8,7)

    Göttliche
    Tugenden

    Glaube   lat. fides Verstehen mit dem Herzen, Jasagen zum Aufruf des sich offenbarenden Gottes, Durchstehen von Zweifeln und Zeiten der Leere, Weitersagen der Botschaft Gottes
    Hoffnung   lat. esperantia Wollen mit dem Herzen, Gottvertrauen, Hoffnung auf die Wiederkehr Christi, Gewissheit das keine Krise so groß ist wie das Endgericht
    Liebe   lat. caritas Fühlen mit dem Herzen, Liebe zu Gott, Liebe zu den Menschen/Nächstenliebe/Caritas, Hingabe - nicht Eifersucht, Vereinnahmung, Haben-Wollen
    Kardinal-
    tugenden
    Klugheit lat. prudentia Weisheit, Gabe der Unterscheidung von Gutem und Bösem, Verantwortungsbewusstsein, Sinn für die konkreten Gegebenheiten
    Gerechtigkeit lat. justitia Einhaltung der unveräußerlichen Menschenrechte, im christlichen Sinne "größere Gerechtigkeit", göttliche Gerechtigkeit
    Tapferkeit lat. fortitudo Aushalten von Leid, Widerstand gegen Traurigkeit, Aushalten der Angst vor dem Tode, Bereitschaft das Leben zu geben
    Mäßigung lat. temperantia Mäßigung im Essen und Trinken, Kontrolle der sexuellen Begierden, Maßhalten im Umgang mit materiellen Gütern, Beherrschung im Zorn

    Quellen: Carlo Maria Martini: Die Tugenden. Grundhaltungen christlicher Existenz. München: Verlag Neue Stadt 1997 u.a.


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    © Dr. Martin Weimer, Altdorf b.Nürnberg