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Name und Inhalt
Die Bergpredigt ist
einer der bekanntesten Texte des Neuen Testamentes der Bibel. Von manchen wird sie als der
Kern des christlichen Glaubens bezeichnet. Ihren traditionellen Namen hat die Bergpredigt
zum Teil von der Ortsangabe zu Beginn: "Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er
auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu
reden und lehrte sie." Da jedoch der Begriff Lehre oder das davon
abgeleitete lehren sehr oft in der Bergpredigt wiederholt wird, der Begriff
Predigt aber nicht, handelt es sich mehr um eine Berglehre des Jesus
von Nazareth. Mit einer feierlichen Einleitung unterstreicht die textliche Redaktion des
Matthäus, etwa 40 bis 50 Jahre nach Jesu Tod, die grundsätzliche Bedeutung der Lehre.
Die hier redaktionell zusammengestellten Worte Jesu Christi sind als Proklamation einer
neu verstandenen, neu ausgelegten, kritisch-revolutionären Gerechtigkeit
interpretiert, die der durch ihn angebrochenen Gottesherrschaft entspricht.
Zentraler Teil der Bergpredigt sind die
Seligpreisungen,
bzw. Makarismsen (nach griechische makarios "selig" oder "glücklich").
Die Berglehre hat als jüdisches Kulturgut, das Jesus so auch verankert (er hebe
die Tora nicht auf, sondern erfülle diese), die christliche Religion, viele herausragende
Denker und andere Religionen maßgeblich beeinflusst. Vielen heutigen liberalen Juden ist
diese Berglehre Jesu aufgrund ihres Charakters einer jüdischen Lehre und Auslegung der
antiken Tradition und der Tora vor jüdischen Hörern absolut koscher.
Die Bergpredigt: Die
Rede von der wahren Gerechtigkeit: 5,1 - 7,29
1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg.
Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2 Dann
begann er zu reden und lehrte sie.
Die Seligpreisungen
3 Er sagte: Selig, die arm sind vor
Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; / denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; / denn sie werden das Land
erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; /
denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; / denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; / denn sie werden Gott
schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; / denn sie werden Söhne Gottes
genannt werden
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; /
denn ihnen gehört das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und
verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß
sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.
Vom Salz der Erde und vom Licht der Welt
13 Ihr seid das Salz der
Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es
taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt,
kann nicht verborgen bleiben.
15 Man zündet auch
nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den
Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.
16 So soll
euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im
Himmel preisen.
Vom Gesetz und von den Propheten
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die
Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. 18 Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen,
wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen
ist. 19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten
aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.
Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. 20 Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit
größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das
Himmelreich kommen.
Vom Töten und von der Versöhnung
21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du
sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur
zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll
dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!,
soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.
23 Wenn du
deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen
dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar
liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.
25 Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner,
solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den
Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins
Gefängnis geworfen. 26 Amen, das sage ich dir: Du
kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.
Vom Ehebruch
27 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht
die Ehe brechen. 28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau
auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. 29 Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann
reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder
verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab
und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht,
als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.
Von der Ehescheidung
31 Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe
entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben.
32
Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt,
liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden
ist, begeht Ehebruch.
Vom Schwören
33 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du
sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder
beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
35 noch bei
der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die
Stadt des großen Königs.
36 Auch bei deinem Haupt
sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.
37 Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere
stammt vom Bösen.
Von der Vergeltung
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge
und Zahn für Zahn. 39 Ich aber sage euch: Leistet
dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die
rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
40
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm
auch den Mantel. 41 Und wenn dich einer zwingen will,
eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
42
Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
Von der Liebe zu den Feinden
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst
deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
44
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er
lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte
und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt,
die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?
47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr
damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
48
Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.
1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den
Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu
erwarten.
2 Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht
vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von
den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits
erhalten.
3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke
Hand nicht wissen, was deine rechte tut.
4 Dein Almosen
soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir
vergelten.
Vom Beten - Das Vaterunser
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen
sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten
gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ
die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das
Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
7 Wenn ihr
betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn
sie viele Worte machen.
8 Macht es nicht wie sie; denn
euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
9
So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, / dein Name werde geheiligt, 10 dein Reich komme, / dein Wille geschehe / wie im Himmel, so auf der
Erde. 11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.
12 Und erlass uns unsere Schulden, / wie auch wir sie
unseren Schuldnern erlassen haben.
13 Und führe uns
nicht in Versuchung, / sondern rette uns vor dem Bösen.
14
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater
auch euch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen
nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Vom Fasten
16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die
Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie
fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 17 Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern
nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Von der falschen und der rechten Sorge
19 Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte
und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, 20 sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie
zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.
21
Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22
Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper
hell sein. 23 Wenn aber dein Auge krank ist, dann
wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß
muss dann die Finsternis sein!
24 Niemand kann zwei
Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem
einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem
Mammon. 25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht
um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass
ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib
wichtiger als die Kleidung?
26 Seht euch die Vögel
des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch
nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
28 Und was
sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie
arbeiten nicht und spinnen nicht.
29 Doch ich sage
euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das
heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr
Kleingläubigen! 31 Macht euch also keine Sorgen und
fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer
Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Euch aber
muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere
dazugegeben. 34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn
der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
Vom Richten
1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem
Maß, mit dem ihr meßt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.
3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders,
aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
4 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus
deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?
5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus
deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders
herauszuziehen.
Von der Entweihung des Heiligen
6 Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen
nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich
umwenden und euch zerreißen.
Vom Vertrauen beim Beten
7 Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr
finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
8 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer
anklopft, dem wird geöffnet.
9
Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet,
10 oder eine Schlange, wenn er um
einen Fisch bittet?
11 Wenn
nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird
euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.
Die Goldene Regel
12 Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch
ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
Von den zwei Wegen
13 Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins
Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm.
14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist
eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.
Von den falschen Propheten
15 Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu
euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe.
16 An ihren Früchten werdet ihr sie
erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?
17 Jeder gute Baum bringt gute Früchte
hervor, ein schlechter Baum aber schlechte.
18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein
schlechter Baum keine guten.
19
Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
20 An ihren Früchten also werdet ihr
sie erkennen.
21 Nicht
jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den
Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht
in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen
ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?
23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg
von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!
Vom Haus auf dem Felsen
24 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie
ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als
die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf
Fels gebaut.
26 Wer aber
meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein
Haus auf Sand baute.
27 Als
nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an
dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.
Die Wirkung der Bergpredigt
28
Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr
betroffen von seiner Lehre;
29
denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, und nicht wie ihre
Schriftgelehrten.
Bedeutung und Wirkung
In der Wirkungsgeschichte der Bergpredigt wurden
unter anderem folgende Deutungsmuster hervorgebracht:
- Die Bergpredigt ist eine Lehre von Großgeboten, die zur
Seligkeit erfüllt werden müssen, im Sinne einer Groß-Gesetzlichkeit und einer
Werkgerechtigkeit, um Vollkommenheit zu erlangen (gegen die vermeintlich
schlecht-gesetzestreuen Pharisäer).
- Die Bergpredigt ist offenkundig unerfüllbar. Sie erscheint
als übermenschlich. Die Menschen sollen sich im Scheitern an den Lehrsätzen der
Bergpredigt der Gnade Gottes bewusst werden. Letztendlich ist der Mensch in allem nur von
der Gnade Gottes abhängig.
- Jesus fordert seine Jünger (Zuhörer und Anhänger seiner
Zeit), (auch die Menschen der heutigen Zeit) auf, sich der herannahenden Zeit des Endes
bewusst zu werden und sich anzustrengen, um zum baldigen Jüngsten Gericht möglichst gut
zu erscheinen.
- Die Bergpredigt ist ein universell gültiges Beispiel für
einen hohen ethischen Anspruch und moralisches Beispiel. Dieser wird gerne als Antipol der
realen Politik oder der "wirklichen" Welt genommen, der dem Weg der Liebe
gegenüberliegt oder ihm entgegenwirkt. Die Bergpredigt zielt auf eine neue, vollkommene
Gesellschaft.
- Die Bergpredigt soll die richtige Gesinnung vermitteln, es
geht um das Gute von innen heraus
- Die Forderungen der Bergpredigt sind spezielle Forderungen
für die Perfecti (engster Jüngerkreis) und haben keine Bedeutung für den
normalen Christen.
Eine buchstäbliche Erfüllung der Bergpredigt scheint
nicht möglich, nicht einmal kurzfristig und vor dem Horizont urchristlicher Naherwartung
des Weltendes. Und doch ist es die allermenschlichste Pflicht des Tuns, das Erhabene
anzustreben, im besten Sinne der jüdischen Tradition, den Geboten Gottes zu
entsprechen und ihm liebend zu dienen. Jesus ist Jude und lehrt seinen jüdischen
Jüngern! Solches Streben ist dem Juden Jesus und dem Judentum zentral, die Forderungen
der Bergpredigt sind eine konsequente Auslegung der hebräischen Bibel. Jesus hat dabei
die bleibende Ungenügsamkeit menschlicher Werke und menschlichen Tuns vor Augen und
fordert dazu auf, mit ihm den Weg der Selbstüberwindung, der Weltverbesserung und
der Erlangung einer verheißenen Zukunft zu gehen.
Die Bergpredigt sprengt einige Grundsätze einer
vornehmlich jüdischen bürgerlichen, gemäßigten, pragmatischen Lebens- und
Gemeinschaftsordnung. Sie fordert ausdrücklich dazu auf, jede Einschränkung durch real
existierende Bedingungen, durch menschliche Schwäche, durch besonders gelagerte
"Fälle" (Kasuistik) zu überwinden. Die Berglehre ist ein erfüllbares
Wunschbild, die Passion und Kreuzigung Jesu wird zur bindenden Ernsthaftigkeit, sie ist
voll vitalem Glauben und bejahender Weltsicht, so wie Jesus es in der Bergpredigt am Ende
hervorhebt: "Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann,
der sein Haus auf Fels baute." (Mt 7,24)
Zitate über die Bergpredigt
Wenn die Bergpredigt die Kurzfassung aller christlichen
Lehre ist, dann sind die acht Seligpreisungen die Kurzfassung der ganzen Bergpredigt.
Jaques-Bénigne Bossuet (1627-1704), französischer
katholischer Bischof und Philosoph
Die Zehn Gebote und die Bergpredigt enthalten meine
Religion.
John Adams (1735-1826), US-amerikanischer
Politiker, zweiter Präsident der USA
Die Bergpredigt hat
mich tief erschüttert. Wie können die Menschen nur nicht begreifen, nicht
fühlen, was darin gesagt ist und was für alle Zukunft gelten muss und für
jeden Menschen schon jetzt das einzige Gute, die einzige Rettung ist!
Leo Tolstoi (1828-1910), russischer Schriftsteller
Mit der
Bergpredigt ist es eine ernstere Sache, als die glauben, die diese Gebote
heute gern zitieren. Mit ihr ist nicht zu spaßen. Von ihr gilt, was
man von der Kausalität der Wissenschaft gesagt hat: sie ist kein Fiaker, den
man beliebig anhalten lassen kann, um nach Befinden ein- und auszusteigen.
Sondern: ganz und gar nicht, das gerade ist ihr Sinn.
Max Weber (1864-1929),
deutscher Soziologe, Jurist und Nationalökonom
Die Bergpredigt wird wieder hervortreten.
Immer stärker, immer stürmischer.
Leonhard Ragaz (1868-1945), Schweizer reformierter
Theologe und Mitbegründer der religiöse-sozialen
Bewegung in der Schweiz
Wenn Ihr Land und das meinige aufgrund der Lehren zusammenkommen die von Christus in der
Bergpredigt niedergelegt wurden, werden wir die Probleme gelöst haben, nicht nur
diejenigen unserer Länder, sondern auch die der ganzen Welt.
Mahatma Gandhi (1869-1948), indischer
Freiheitskämpfer, Verfechter des gewaltfreien Widerstandes
Der Geist des Friedens will von unsern Herzen
Besitz nehmen. Wer es im Ernst unternimmt, ihm Gehorsam zu leisten, wird
etwas von Jesu Seligpreisung der Friedfertigen erleben.
Albert Schweitzer (1875-1965), elsässischer evangelischer Theologe,
Musiker, Arzt und Philosoph
Er hatte
gesagt: selig sind die Leidtragenden, die Schwachen und Unterdrückten.
Sie haben der Welt etwas Besonderes zu sagen, ihnen gehört die Zukunft.
Boris Pasternak (1890-1960), russischer Schriftsteller
Heimlich zugebend, dass die Bergpredigt für ihn nicht gelte, dass die vom Individuum
geforderte Moral für ihn nicht gelte, dass die einfachsten altruistischen Gebote für ihn
nicht gelten, will er Gott verdrängen und sich an seine Stelle setzen.
Kurt Tucholsky (1890-1935), deutscher Journalist
und Schriftsteller
Die
Bergpredigt verstehen kann nur ein Mensch, der den Mut hat, sich selbst
radikal in Frage zu stellen - sich selbst, nicht die anderen, nicht nur
dies und das an sich selbst.
Karl Rahner (1904-1984), deutscher katholischer Theologe, führender
Dogmatiker und Religionsphilosoph
Je älter ich werde, desto mehr bin ich davon überzeugt:
Diese Welt wird auch in ihren Machtstrukturen nur überleben, wenn sie sich Schritt für
Schritt den Grundwerten der Bergpredigt annähert.
Heinrich Albertz (1915-1993), deutscher
evangelischer Theologe der Bekennenden Kirche und Politiker, SPD
Die großen Konflikte der Zeit wären lösbar, wenn wir
Menschen die Kraft fänden, persönlich und politisch gemäß der Bergpredigt zu handeln.
Richard von Weizsäcker (1920), deutscher
Politiker, CDU
Die Lehren der Bergpredigt zeigen eigentlich nur, wie man
leben und sich verhalten kann, wenn die Angst des menschlichen Daseins durch ein tiefes
religiöses Vertrauen überwunden ist.
Eugen Drewermann (1940-), deutscher katholischer
deutscher Theologe, Priester, Psychoanalytiker und Kirchenkritiker
Selig die Gewaltlosen, die nicht nach
Macht hungern. Sie wissen, dass am Menschen Hände wachsen, um zu vergeben,
und keine Fäuste, um zu schlagen.
Selig die Gewaltlosen, die Widerstand leisten gegen die Befehle der
Technokratie und gegen die Normen einer maßlosen Konsumgesellschaft.
Selig die Gewaltlosen, die dort stehen, wo die Schwachen sind, wo Menschen
Opfer von Menschen werden, und die unermüdlich eintreten gegen den Mißbrauch
der Macht.
Selig die Gewaltlosen, die die Spirale der Gewalt umbiegen zu einer Spirale
der Freundschaft und Liebe. Sie sind wie das Wasser im Fluß, das die harten
Steine rund und glatt macht, so daß sie im Strom der Güte mitrollen. Mit
sanfter Gewalt erobern sie die Herzen der Menschen.
Phil Bosmans (1922-), belgischer Ordenspriester, Schriftsteller und
Telefonseelsorger
Quellen:
Pinchas Lapide: Die Bergpredigt. Utopie oder
Programm. Mainz: Matthias Grünewald Verlag 41984
Wikipediartikel "Bergpredigt"
Seligpreisungen von Carl
Heinrich Bloch, dänischer Maler (1834-1890)
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