"Heiligste Dreifaltigkeit" Altdorf b.Nürnberg
Ukraine Projekt Tavor
 

Ukrainische Besuchergruppe aus Novyy Rozdil zu Gast in Altdorf
Unterstützung des Projektes Tavor für behinderte Menschen
                Aufruf von Pfarrer Börschlein im kontakt 2/2013

Ende Juni 2013 hielt sich eine fünfköpfige ukrainische Besuchergruppe aus Novyy Rozdil aus dern Nähe von Lviv (Lemberg) in der Westukraine zu Besuch in Altdorf auf. Seit 2010 unterstützt die katholische Pfarrgemeinde Hl. Dreifaltigkeit in Altdorf das Projekt Tavor (Tabor) für geistig behinderte Menschen.

Begonnen hat alles mit einem Besuch von Religionslehrerin Elisabeth Gsänger mit einer Delegation des Collegium Orientale, einer Einrichtung des Bistums Eichstätt zur Ausbildung von Geistlichen aus den Ostkirchen, vor drei Jahren. Im vergangenen Jahr konnte sich die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Christine Lochschmidt selbst vor Ort einen Eindruck von dem Projekt Tavor für behinderte Menschen und den für uns doch fremden Lebensbedingungen in der Ukraine verschaffen.

Unkraine_Behindertenprojekt_Tavor Tavor, ein (Freizeit-)Zentrum besteht seit Januar 2007 und macht an fünf Tagen der Woche verschiedene Angebote zur (Nachmittags-)Betreuung. Die MitarbeiterInnen von Tavor möchten den behinderten Menschen die Möglichkeit geben, zu einer Gemeinschaft zu gehören und ein Selbstwertgefühl zu entwickeln. Leiter des Zentrums, ist der 34-jährige Vasyl Vasylyshin , der an der Kardinal Stefan Wyszynski-Universität in Warschau, den Abschluss „Master of Science of the family“ erwarb und zuvor als Schulpsychologe arbeitete.

Vasylyshyn betonte die großen Unterschiede zwischen Deutschland und der Ukraine gerade auch im sozialen Bereich. In der Ukraine müsse noch viel wachsen und sich entwickeln. Im Bereich der Behindertenarbeit fange vieles gerade erst an. So lebten etwa Kinder mit geistigen Behinderungen oft nicht in ihren Familien, sondern würden in Internaten untergebracht, manchmal ohne Kontakt zu anderen Menschen. Hier setze das Engagement von Tavor an. Mit zwei Internaten, einem für jüngere Kinder und einem anderen, in dem behinderte Menschen bis zum Alter von 45 Jahren leben, arbeite die Einrichtung zusammen. Heute gebe es ein Tagesprogramm für vier Gruppen, Computerkurse, eine Theatergruppe, einen selbstgebauten Spielplatz - mitfinanziert auch durch Aktionen Altdorfer Kommunionkinder und Firmlinge - , der offen für alle ist, und eine Turnhalle. Im Rahmen das „Big Brother/Big Sister“-Programms besuchten Freiwillige die Kinder und Erwachsenen in den Internaten, die aufgrund ihrer Einschränkung nicht ins Freizeitzentrum kommen können.

„Freunde“ nennen sich in Tavor alle untereinander, Sozialpädagogen wie Freiwillige oder behinderte Menschen. Und sie arbeiten auch gemeinsam, stellen Schmuck, Kerzen, Taschen und Postkarten her, um ein wenig Geld zu verdienen. Denn staatliche Förderung gebe es keine, erläutert Vasylyshyn. Das Zentrum finanziere sich aus Spenden und Fördermitteln, mit deren Hilfe gerade Umbaumaßnahmen starten konnten. Da er den Förderern jährlich Rechenschaft ablegen muss, ist Vasylyshyn daran interessiert, immer wieder neue Ideen zu entwickeln. Einige Impulse erhielt er auf einer Fachtagung von Renovabis, dem Hilfswerk der deutschen katholischen Kirche für Osteuropa, zum Thema „Inklusion“. Mit großem Interesse nahm er deshalb auch die Gelegenheit zu einem Besuch des Wichernhauses in Altdorf wahr.

Den Samstagabendgottesdienst gestalteten die beiden Priester im griechisch-katholischen Ritus, wobei der für nur fünf Personen volle Wechselgesang beeindruckte. Mit einer Präsentation im Anschluss an den Samstagabendgottesdienst und auf einem Infostand am Rande des ökumenischen Kirchenfestes am folgenden Tag informierten die ukrainischen Gäste nicht nur über das Projekt Tavor sondern auch über die Lage der griechisch-katholischen Gemeinde von Nova Rozdil. Zu Sowjetzeiten mussten sich die Gemeindemitglieder in der aus dem Boden gestampften Stadt im Freien unter einem Holzkreuz treffen, nach der politischen Wende und Unabhängigkeit der Ukraine in einer kleinen Kirche, die für die wachsende Kirchenmitgliederzahl um eine Baracke erweitert wurde. Jetzt sei man stolz auf den Neubau einer großen Kirche im  byzantinischen Stil. Aber auch im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit zeigte sich die Lebendigkeit der ukrainischen Kirche.

Pfarrer Mykola (Nikolaus) und seine Frau Mariaa von der Pfarrei Rozdil sowie Pfarrer Petro von einer Nachbarpfarrei waren im Pfarrhaus untergebraucht, Vasyl Vasylyshyn mit Frau Halyna bei Familie Jupke. Pfarrer Albert Börschlein hatte zusammen mit der PGR-Vorsitzenden Christine Lochschmidt ein umfangreiches Programm für die Gäste erarbeitet. Neben Besuchen in Eichstätt, Bamberg und Nürnberg standen ein Empfang beim Bürgermeister, ein Besuch im Wichernhaus, Abendessen in verschiedenen Familien und ein Kennenlern- und Austauschabend mit den Gremien der Pfarrgemeinde auf dem Programm.

Über alle Sprachbarrieren hinweg funktionierte die Kommunikation durch die Offenheit, Unkompliziertheit und Herzlichkeit der Gäste. Vasylyshyn, der über gute Englischkenntnisse verfügte, und seine Frau fungierten als Dolmetscher.  Und wieder einmal zeigte sich, dass gerade die Musik die Menschen über die Grenzen zusammenführt. Auf dem ökumenischen Kirchenfest sangen die Gäste die Ukrainische Nationalhymne und das Lied „Wir sind eine Familie“. Voller Eindrücke aus Deutschland – und mit vollem Kleinbus – kehrten die Gäste müde und wohlbehalten nach Rozdil zurück.

Die katholische Pfarrgemeinde hofft, dass durch die persönlichen Begegnungen der Kontakt Rozdil und die Unterstützung für das Projekt Tavor auf eine breitere Basis gestellt werden kann. Und sicherlich lässt sich manches auf vom Gastland lernen. Falls auch Sie das Projekt Tavor unterstützten möchten, können Sie sich gerne an das Pfarrbüro wenden (Tel. 09197/5135).

Website des Projektes Tavor: http://tavor.at.ua/ (automatische Übersetzung aus dem Ukrainischen ins Deutsche möglich)

 

 

 

Bilder: Martin Weimer
 

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