"Heiligste Dreifaltigkeit" Altdorf b.Nürnberg
Ausstellung 125 Jahre kath. Pfarrei Altdorf
 


Am 2.12.2001, dem 1. Adventssonntag, feierte die kath. Pfarrei Altdorf ein Doppeljubiläum: 50 Jahre kath. Pfarrkirche „Heiligste Dreifaltigkeit“ und 125 Jahre kath. Stadtpfarrei. Aus diesem Anlass gab Rektor i.R. und Kirchenpfleger Hans Herzog gab eine Einführung in die über 125-jährige Geschichte der Pfarrei. In den vergangenen Wochen hatte er im Pfarrarchiv überraschende Entdeckung gemacht und manches Kuriose zu Tage befördert. So fand er inmitten von Stiftungakten die handschrifltlichen Pläne für den Bau der alten Pfarrkirche oder in einem unscheinbaren Pappschuber die in Leder„Confirmations-Urkunde“ für die neue kath. Stadtpfarrei Altdorf. Das in Leder gebundene Prachtstück der Ausstellung mit einem handgezeichneten Deckblatt mit einer Dreifaltigkeitsdarstellung und einem roten Wachssiegel war in einer Vitrine zu bewundern. Auf neun Ausstellungswänden hatte er in liebevoller Kleinarbeit chronologisch-thematisch alte Karten, Baupläne, Handschriften und Photos – darunter viele Originaldokumente zusammengetragen.

Nachdem 1806 das Reichsgebiet der Stadt Nürnberg und damit auch die Stadt Altdorf an die Krone Bayerns gefallen war, ließen sich seit der Reformation die ersten Katholiken wieder in Altdorf nieder. Mit der Industrialisierung und dem Eisenbahnbau wuchs die Zahl der Arbeitsmigranten aus der kath. Oberpfalz, die von Gnadenberg aus seelsorgerisch betreut werden mussten. Der weitsichtige und tatkräftige Dekan Max Limbacher aus Gnadenberg erwarb ein Grundstück an der Neumarkter Straße und konnte 1866 nach einer beispiellosen Spendenaktion den Grundstein für ein Gebäude mit einem Betsaal im Obergeschoß und einer Wohnung für den Geistlichen im Erdgeschoß legen. Dieses war baulich bereits so angelegt, dass es zu einem späteren Zeitpunkt - nach dem Bau eines eigenen Pfarrhauses - durch Entfernen der Zwischendecke zu einer Kirche umgebaut werden konnte.

Durch ein Bittgesuch an den König erreichte Limbacher die „Allerhöchste“ Genehmigung für eine Kollekte in den sieben Regierungsbezirken des rechtsrheinischen Bayerns für die Errichtung eines selbständigen katholischen Seelsorgepostens in Altdorf. König Ludwig II. von Bayern erteilte die Genehmigung zur Gründung der kath. Pfarrei Altdorf und „Bischöfliche Gnaden“ Franz Leopold in Eichstätt fertigte mit Datum vom 14. März 1876 den Stiftungsbrief der Pfarrei aus. 1880 konnte nach dem Bau des Pfarrhauses der Betsaal mit Wohnung zur Kirche umgebaut werden. Die Kirche wurde nach und nach mit Glocken, einer Orgel, einem Hochaltar mit Skulpturen des Stadtpatrons und der Bistumspatrone, Seitenaltären mit Maria bzw. Josef, einem Kreuzweg sowie einem Glasfenster mit einer Dreifaltigkeitsdarstellung ausgestattet. Der baufällig gewordene Dachreiter des ehemaligen Betsaales wurde durch den Neubau eines Turmes ersetzt. Ende des Ersten Weltkrieges mussten die Kirchturmglocken für die Kriegsindustrie abgenommen werden. Im Dritten Reich hatte der geradlinige Pfarrer Mayer unter Repressalien der Nazis zu leiden, bekam u.a. Predigt- und Unterrichtsverbot und das Dienstmotorrad entzogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg durch die Heimatvertriebenen die Zahl der Katholiken in Altdorf stark an und ein größerer Kirchenraum wurde notwendig. Pfarrer Anton Probst erreichte, dass 1951 die Dreifaltigkeitskirche Altdorf neu errichtet wurde. Am 2. Dezember 1951, dem 1. Adventssonntag, fand die Einweihung der neuen Kirche durch Bischof Dr. Josef Schröffer statt. 1954 wurde der alte Kirchturm abgerissen und ein neuer errichtet; 1993 die Elisabethkapelle gebaut. Auch in den Außenorten Lenzenberg, Rieden und Röthenbach entstanden Orte der Andacht. Die schon aus dem Jahre 1074 stammende Marienkirche in Hagenhausen wurde zur 900-Jahrfeier renoviert.

Neben dem religiösen Leben wirft die Ausstellung auch auf das kulturelle und soziale Leben der kath. Pfarrgemeinde einige Schlaglichter. 1898 wurde der Canisius-Schulverein mit dem Ziel der Errichtung einer eigenen Schule gegründet, doch scheiterte der Plan an knappen Finanzmitteln. 1905 wird in der Pfarrei ein kath. Arbeiterverein gegründet, der in der Nazizeit verboten war und nach dem Krieg als kath. Werkvolk wiedergegründet wurde – heute als Kath. Arbeitnehmerbewegung (KAB) bekannt. Der Stadteilname „Werkvolksiedlung“ erinnert heute noch an den Einsatz für die Linderung der Wohnungsnot. Neben dem sozialen Einsatz etwa für Gastarbeiter wurde bei der KAB auch schon früh das kulturelle Leben gepflegt – auch diesen November wurde wieder ein Theaterstück aufgeführt. 1974 wurde mit dem Roncalli-Hauses in der Bayernstraße die seit langem nötige Begegnungsstätte gebaut. Dank des „qualifizierten Ungehorsams“ von Pfarrer Gerhard Senninger gegenüber dem Diözesanbauamt wurde der auch heute noch modern wirkende Bau komplett unterkellert und war so den zukünftigen Nutzungen gewachsen. Über die vielfältigen Gruppierungen und Aktivitäten im „RCH“ informierte im vergangen Jahr die Ausstellung „25 Jahre Treffpunkt Roncalli-Haus“. 1957 wurde der kath. Kindergarten St. Josef an der Rascher Straße eingeweiht, 1996 der Kindergarten St. Monika in Röthenbach.

(Gestalterische und technische Umsetzung durch Dr. Martin Weimer und Johann Hermann. Interessenten an einer CD der Powerpoint-Präsentation mögen bitte an folgende E-Mail-Adresse schreiben mweimer_add_online.de)


 
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